Zeitzeugengespräch mit Prof. Erika Rosenberg zu Emilie Schindler

Erschienen am 29.10.08 in den Erlanger Nachrichten

 

Das Albert-Schweitzer-Gymnasium Erlangen setzte seine Tradition fort, die deutsche Vergangenheit durch Zeitzeugengespräche für die Schüler lebendig werden zu lassen. Nach Besuchen von Holocaust-Überlebenden, zuletzt des „Schindlerjuden“ Mitek Pemper und des Vorsitzenden der Israelischen Kultusgemeinde in Nürnberg, Arno Hamburger war nun Professorin Erika Rosenberg auf Einladung der Fachschaften Geschichte und Religion zu Gast am ASG.

 Die Historikerin, Journalistin und Autorin aus Buenos Aires befindet sich derzeit auf Vortragsreise in Europa. Als Verfasserin der Biographien von Oskar und Emilie Schindler die im Zweiten Weltkrieg mehr als tausend Juden vor dem sicheren Tod in den  Vernichtungslagern bewahrten, hat Prof. Erika Rosenberg es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die Schindler-Geschichte in der ganzen Welt zu verbreiten.

Nur Wenig Anerkennung

 Dabei versteht sie sich insbesondere als Sprachrohr von Emilie Schindler, deren Leistungen an der Seite ihres Mannes nie gebührend anerkannt wurden und die auch in Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“  LOGO zu Unrecht nur eine Randfigur ist. Als Tochter jüdischer Verfolgter, die Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus Richtung Südamerika verlassen mussten, sprach Prof. Rosenberg vor Schülern des 10ten und 13ten Jahrgangs zunächst über das Schicksal ihrer eigenen Familie: Die Entwurzelung der Eltern, die strapaziöse Flucht über Paraguay nach Argentinien und den schwierigen Neuanfang in einer fremden Welt.

 Innige Freundschaft

 Und schließlich über den Tag, der ihr Leben, wie sie sagt, für immer verändern sollte. Den Tag im Jahre 1990, an dem sie Emilie Schindler begegnete. Aus dem geplanten Interview wurde ein Buch, aus der ersten Begegnung eine innige Freundschaft, die bis zum Tod Emilie Schindlers 2001 andauerte.

„Sie war für mich Trägerin einer Geschichte, von der meine Eltern sich nie getraut hatten, mir zu erzählen. Das Schicksal hatte uns beide nahe gebracht. Einerseits standen sie, Emilie und Oskar, die Judenretter in einer trostlosen Zeit, andererseits stand ich, die Tochter deutscher Juden. Wir sollten erweisen, dass die Versöhnung unter den Völkern möglich ist – und wir haben es getan!“

 Die Schüler waren sichtlich beeindruckt von Prof. Rosenbergs Vortrag über Emilie Schindler – einer mutigen und selbstlosen Frau, die zusammen mit ihrem Mann Oskar bereit war, ihr Leben aufs Spiel zu setzten, um Menschenleben zu retten.

Beide lebten und handelten nach dem Spruch im Talmud: „Wer ein Menschenleben rettet, der rettet die ganze Welt“.

Und doch blieb Emilie Schindler bis zu ihrem Tod eine „unbesungene Heldin“, deren Leistung dank der Arbeit von Prof. Erika Rosenberg erst allmählich anerkannt werden.

 

 

 

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