Hunger, Schmerzen, Glück! – “Wir sind Schwabenkinder.”

Nach einem Schuljahr Vorbereitung wurde es nun ernst: Unser P-Seminar machte sich auf den Weg in die Alpen, um sechs Tage lang auf einer historischen Route der Schwabenkinder von Lech am Arlberg bis nach Ravensburg zu wandern. Dabei legten wir ca. 120km zurück und entdeckten die Wege und Orte, die vor etwa 100 Jahren viele arme Kinder im Alter von 8-18 Jahren auf ihrem Weg nach Oberschwaben passieren mussten, um dort jedes Frühjahr für ein halbes Jahr an Bauern verkauft zu werden.

Unsere Tour führte über steile Bergpässe, durch Täler, dichte Wälder, an Schneefeldern vorbei sowie durch zahlreiche Dörfer des Bregenzer Waldes an den Bodensee und schließlich weiter nach Ravensburg zum Kindermarkt. Unterwegs beschäftigten wir uns immer wieder mit der Geschichte der Schwabenkinder. Beispielsweise lasen wir aus dem bekannten Roman von Elmar Bereuter vor und erfuhren an verschiedenen Stationen Interessantes über das Leben der Schwabenkinder, die Region, ihre Kultur und bedeutende Persönlichkeiten.

Um die Situation der Schwabenkinder möglichst gut nachvollziehen zu können, schlüpften wir in die Rolle der Kinder, verzichteten auf Smartphones, fest gebuchte Quartiere und aßen nur Dinge, die die Kinder vor 150 Jahren im Bregenzer Wald zu essen bekamen: Brot, Käse, etwas Speck, Äpfel und Nüsse. Eigentlich wollten wir die Nächte möglichst im Freien verbringen, doch wegen des wechselhaften Wetters und einiger regnerischer Abende waren wir gezwungen, mit dem Spruch “Wir sind Schwabenkinder” spontan Unterschlupf bei Einheimischen zu suchen. Diese stellten uns beispielsweise eine Scheune, ein altes Feuerwehrhaus oder eine Holzwerkstatt zur Verfügung. Die Unsicherheit, nicht zu wissen, wo man am Abend schlafen konnte und die anschließende Erleichterung über ein Dach über dem Kopf sowie die erlebte Gastfreundschaft machte unsere Wanderung zu einer ganz besonderen Erfahrung. Eine frische Scheibe Brot oder ein Waschbecken löste bald bei allen Freude und Dankbarkeit aus.

Neben langen Etappen, Hitze, Regen, Gewittern gab es einige weitere Herausforderungen wie der Fund eines Glutnestes, bei dem wir die Feuerwehr kontaktieren mussten. Auch das Staunen, die spontanen Einladungen und Geschenke von gerührten Menschen, die uns “Schwabenkinder” unterstützten, beeindruckten uns sehr.

Es gab keine Möglichkeit zu duschen, weshalb wir trotz des regnerischen Wetters gerne im Bodensee badeten.

Den Abschluss bildete unser Besuch des Schwabenkindermuseums in Ravensburg, wo wir unser während der Wanderung erworbenes Wissen vertiefen konnten. Danach versuchte Frau Schweizer-Bauer, uns auf dem ehemaligen Kindermarkt an Bauern zu verkaufen. Nach einer ernstgemeinten Einladung auf einen Hof in Oberschwaben zogen wir es jedoch vor, die Heimreise mit dem Zug anzutreten.

Die Wanderung war nicht nur physisch und psychisch anspruchsvoll, sondern bot uns einen intensiven Einblick in die Geschichte der Schwabenkinder. Gleichzeitig stärkte sie uns und unseren Gruppenzusammenhalt und wird uns als gemeinsames Erlebnis für immer in Erinnerung bleiben.

(Bericht: E. Alvarez und J. Ferreiro Arango, Fotos: C. Schweizer-Bauer)

Hunger, Schmerzen, Glück! – “Wir sind Schwabenkinder.”
Hunger, Schmerzen, Glück! – “Wir sind Schwabenkinder.”
Hunger, Schmerzen, Glück! – “Wir sind Schwabenkinder.”
Hunger, Schmerzen, Glück! – “Wir sind Schwabenkinder.”

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